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Baldassare Galuppi (1706–1785) Der Philosoph auf dem LandeOpera bernesca |
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Regie, Bühnenbild, Licht: Michael Simon Kostüme: Anna Eiermann Ursula Fiedler, Max Emanuel Cencic, Jörg Dürmüller, Leonore von Falkenhausen, Wolfgang Newerla, Elisabeth von Magnus, Rüdiger Wohlers, Sven Bindseil Freiburger Barockorchester Musikalische Leitung: Thomas Hengelbrock
Im Herbst des Jahres 1754 komponierte Baldassare Galuppi (1706–1785), laut dem mit ihm befreundeten Zeitgenossen Carl Philipp Emanuel Bach einer der «itztlebenden größten Meister im Komischen», mit Il Filosofo di Campagna eines der erfolgreichsten Werke der Operngeschichte. Die Begabung des venezianischen Opern- und Kirchenkomponisten, Cembalovirtuosen und Dirigenten für das heiter-groteske, satirische Genre entzündete sich an den Libretti Carlo Goldonis (1707–1793), so wie dessen neuartige drammi giocosi in Galuppi einen kongenialen Musiker fanden, der deren Stärken in völlig eigener Manier zu steigern und musikdramatisch zu schärfen wusste. Ihre gemeinsame Erfolgsserie begann 1749 in Venedig mit L'Arcadia in Brenta; 15 weitere, in ganz Europa außerordentlich populäre Opern folgten und etablierten die komische Oper erstmals als eigenständige Gattung. In Anlehnung an seine Reform der commedia dell'arte hatte Goldoni ernste Rollen in die komische Oper eingeführt, die Galuppi überraschend zu gestalten wusste in seinem Changieren zwischen Händelschem Melos und einer absichtlich ins Groteske gesteigerten Virtuosität nach neapolitanischem Muster. Für die komischen Rollen erfand Galuppi eine die einzelnen Figuren in enger Anlehnung an Text und Situation charakterisierende musikalische Gestik. Von den zumeist einfachen Liedern und Arietten avancierten manche regelrecht zu Gassenhauern. Galuppi schrieb 102 ernste und komische Opern, deren inspirierte, elegante und leichte Melodien, verbunden mit lebhafter, pointierter Rhythmik und einer abwechslungsreichen, durchsichtigen und farbigen Orchesterbegleitung allen Charme und alle Schönheit der italienischen Musik des 18. Jahrhunderts verkörpern. Die bedeutendeste und zukunftsträchtigste Erfindung gelang Goldoni und Galuppi mit dem Kettenfinale, in dem die Handlung alle komischen Rollen (erst in der Generation eines W. A. Mozart wirkten auch die parti serie mit) am Ende eines Akts zusammenführt. Die einzelnen Abschnitte, die wie in einem Kaleidoskop die Emotionen der Figuren und die szenische Situation reflektieren oder sich zu tumultartigen Schlussapotheosen steigern, vertont Galuppi kontrastreich mit abrupten Takt-, Tempo- und Tonartwechseln und schnell zwischen den Sängern wechselnden vokalen Phrasen. Im 18. Jahrhundert eine der meistgespielten Opern – der Uraufführung am Teatro Grimani di S. Samuele, «gewidmet den hochverehrten Venezianischen Damen», folgten über 80 Aufführungen in Dresden, Mailand, Florenz, Mannheim, Berlin, Rom, Petersburg, London, Prag, Dublin, Riga, Schwetzingen, Madrid etc. –, wurde das Werk erst anlässlich des 200. Geburtstags Goldonis 1907 vom italienischen Komponisten Ermanno Wolf-Ferrari wieder entdeckt und in einer stark bearbeiteten Version als harmloses Singspiel wenige Male in Venedig aufgeführt. Thomas Hengelbrock entdeckte die Partitur wieder neu in der Amalien-Bibliothek Berlin. Basierend auf der dortigen Handschrift und einer weiteren Partiturabschrift aus Cambridge, zwei der ältesten heute noch verfügbaren Quellen, und auf der kritischen Ausgabe der Werke Goldonis haben wir eine neue Ausgabe erstellt, die erstmals bei den Musikfestspielen Potsdam 1995 aufgeführt wurde. Das Libretto wurde von der Baseler Dramaturgin Ute Becker vorsichtig gekürzt und übersetzt; dem Gebrauch der Entstehungszeit gemäß (und auch für heutiges Publikum am sinnfälligsten) werden die Rezitative deutsch, die Arien und Ensembles italienisch gesungen. Die Aufführungsdauer beträgt ungefähr 130 Minuten. Drei Frauen, drei Männer – drei Paare also und ein Notar. Alle wollen heiraten, suchen einen Mann, eine Frau und/oder sind verliebt. Alles dreht sich um – wer will wen – wer soll wen haben – wer ist in wen warum verliebt – wer ist wem wieso bestimmt – warum und wie bekommt wer wen. Hauptrollen spielen Geld und Liebe, Klugheit und List, Phantasien, Täuschungen, Strategien. Jeder verfolgt sein Ziel, d. h. seine Frau / seinen Mann, und ist darauf angewiesen, dass die anderen mitspielen. Die tun dies aber nach ihren eigenen Spielregeln, die sie sich fürs Leben ausgedacht haben. Jeder sieht sich selbst natürlich anders, als die anderen ihn sehen – manchmal passt es zueinander, oft genug nicht. In ihren Begegnungen – seien sie geplant oder zufällig – kennen alle Figuren immer nur ihren eigenen Stand der Liebesgeschichten – sei es der eigenen oder der der anderen.
Pressestimmen: «Am Dirigentenpult steht mit Thomas Hengelbrock ein ausgewiesener Profi der historischen Aufführungspraxis – und er steht voll und ganz hinter dem Inszenierungskonzept. Musik und Szene sind eine Einheit an diesem Abend.» Der Tagesspiegel «Das Glanzlicht der Musikfestspiele!» Märkische Allgemeine |
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