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Agostino Steffani (1654–1728)

Niobe, Regina di Tebe

Dramma per musica in tre atti (1688)
Libretto von Luigi Orlandi

 

Inszenierung: Lukas Hemleb
Bühnenbild: Raimund Bauer
Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer

Niobe
Anfione
Manto
Tiresia
Clearte
Creonte
Poliferno
Tiberino
Nerea

Maria Bengtsson
Jacek Laszczkowski
Ana Maria Labin
Tobias Scharfenberger
Pascal Bertin
Peter Kennel
Matjaz Robavs
Lothar Odinius
Delphine Galou

Balthasar-Neumann-Ensemble
Musikalische Leitung: Thomas Hengelbrock

Welche große Anziehungskraft die Ausgrabung venezianischer Opern des späten 17. Jahrhunderts für ein modernes Publikum haben kann, hat sich mit dem furios aufgenommenen „Il Giustino“ von Giovanni Legrenzi bei den Schwetzinger Festspielen 2007 gezeigt. In diesem Jahr wenden sich Thomas Hengelbrock und sein Balthasar-Neumann-Ensemble nun der Musik Agostino Steffanis zu, der wie kein anderer Komponist dieser Zeit für die Blüte italienischer Opernkultur in Deutschland sorgte.

„Niobe, Regina di Tebe“ aus dem Jahr 1688 ist Steffanis letzte Oper für den Münchner Hof und zugleich seine bedeutendste. Bereits das Libretto weiß die ungeheure Wucht der Niobidentragödie wirkungsvoll in Szene zu setzen. Erzählt wird die Geschichte der Königin von Theben, die für ihren Hochmut von den Göttern mit dem Tod ihrer Kinder bestraft vor Schmerz zu Stein wird. Amphion, ihr Mann, nimmt sich vor Gram das Leben, und die so von ihrem Tyrannen befreite Stadt erlangt die Freiheit wieder.
Obwohl Steffani fest in der Musiksprache seiner Heimat verwurzelt war, fand er durch die Aufnahme französischer Stilelemente zu einer sehr individuellen Kompo sitionsweise, was sich auch in einer besonders großen und bunten Orchesterbeset zung bemerkbar macht. So wird etwa Amphion, der mythische Erfinder der Leier und der Harmonie, in seiner Auftrittszene mit einem instrumentalen Aufwand vorge stellt, wie ihn die italienische Oper schon lange nicht mehr kannte. Die Arie spielt auf die Harmonie der Sphären aus Platons „Politeiea“ an und Steffani gelingt es eindrucksvoll, dieses Bild von der Weltenharmonie mit allen Mitteln der Tonkunst sinnfällig zu machen. Ein kaum zu überbietender Realismus zeichnet die Sterbeszenen Niobes und Amphions aus: Jede Gemütsregung zwischen Schmerz und Verzweiflung wird auf differenzierteste Weise ausgedrückt.

Nicht nur durch den Tod der beiden Hauptrollen auf offener Bühne gehört Steffanis „Niobe“ zu den außergewöhnlichsten Opern des 17. Jahrhunderts. Das Werk beschränkt sich auf eher wenige und dafür aber gleich gewichtete Rollen. Hierdurch wird kammerspielartig eine besonders individuelle Charakterzeichnung möglich, die das Werk gerade für die moderne Opernbühne brennend interessant macht.

Lukas Hemleb, mit dem Thomas Hengelbrock und das Balthasar-Neumann-Ensemble bereits 2005 in Schwetzingen mit Alessandro Scarlattis „Telemaco“ einen großen Erfolg feierten, wird die Regie übernehmen.
Das Balthasar-Neumann-Ensemble ist mit seiner Arbeit an der Herausgabe einer Notenedition dieses Werkes beteiligt.

Vor der Opernaufführung findet die Uraufführung von Adriana Hölzskys A-Cappella-Komposition „Hybris / Niobe“ durch das SWR Vokalensembles Stuttgart unter der Leitung von Denis Comtet statt.

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