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Giovanni Legrenzi (1626–1690) Il GiustinoMelodramma in tre atti Libretto von Niccolò Beregan |
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Regie: Alexander Schulin
Balthasar-Neumann-Ensemble Ein vergessenes venezianisches Erfolgsstück Trotz zahlreicher «Wiederentdeckungen» barocker Opern in den letzten Jahrzehnten zeigen die Spielpläne heutiger Opernhäuser immer noch eine erstaunliche Lücke. Nach Monteverdis «L'incoronatione di Poppea» von 1643 gehört erst wieder Händels «Agrippina» von 1708 zum festen Bestandteil des Repertoirs. Über 50 Jahre Operngeschichte sind dem Publikum, ja sogar den meisten Musikhistorikern nahezu unbekannt. Als Thomas Hengelbrock 2001 bei den Schwetzinger Festspielen Giovanni Legrenzis venezianische Oper «La divisione del mondo» aus dem Jahr 1675 präsentierte, wurde deutlich, wie interessant Werke dieser vergessenen Epoche gerade für das heutige Publikum sein können. 2007 folgte die nicht minder erfolgreiche Aufführung von Legrenzis «Il Giustino», eine Produktion, die unter der musikalischen Leitung von Michael Behringer und in einer halbszenischen Inszenierung von Alexander Schulin, 2008 auch im Grand Théâtre in Luxemburg zu hören sein wird. Anders als noch in Monteverdis oder Cavallis Opern der Jahrhundertmitte sind gegen Ende des 17. Jahrhunderts die langgesponnen Soloszenen aus der venezianischen Oper verschwunden. Die Rezitative sind nun knapp gefasst und immer wieder von kleinen ariosen Passagen oder den kurzen, aber sehr zahlreichen (um die 80!) Arien durchzogen. Es entsteht ein buntes und bewegliches Spiel aus vielen kleinen Mosaiksteinchen, das von der starren und immer gleichen Einteilung der späteren Opera seria in lange Rezitative und noch längere Da-capo-Arien denkbar weit entfernt ist. Beschleunigung und Kontrast, Überraschung, Staunen und die Faszination am Unerwarteten sind die Merkmale der venezianischen Oper des späten Seicento. Was den Opernreformern einige Jahrzehnte später schließlich buchstäblich zu bunt geworden war, ist dem heutigen Betrachter eng vertraut. Schnelle und kurze Schnitte sind ein typisches Merkmal unserer Musikclip-Kultur, und die Aufteilung der Handlung in viele kleine Episoden hat sich auch im modernen Kino seit Robert Altmans Short cuts als äußerst produktives Stilmittel erwiesen. Mit Giovanni Legrenzis «Giustino» stellt das Balthasar-Neumann-Ensemble dem Publikum die vielleicht erfolgreichste venezianische Oper des späten 17. Jahrhunderts vor. Nach der furios aufgenommenen venezianischen Uraufführung des «Giustino» im Teatro San Salvatore 1683 wurde das Stück in den folgenden 20 Jahren von nahezu allen wichtigen Opernhäusern Italiens übernommen. Nicht nur die Musik des Maestro di cappella von San Marco, dessen Kompositionen noch Meister späterer Generationen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel zu schätzen wussten, sondern auch das für barocke Verhältnisse sehr stringente Libretto trug wesentlich zu diesem außergewöhnlichen Erfolg bei. Als Legrenzis Musik schließlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus der Mode gekommen war, blieb Niccolò Beregans Schilderung von sagenhaften Aufstieg des Bauern Giustino zum Kaiser immer noch präsent. Sie bildete die Grundlage für zahlreiche Neuvertonungen des Stoffes von Komponisten wie Albinoni, Vivaldi oder Händel: Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass Beregan mit seinem Giustino eines der bedeutendsten Libretti des Barock geschaffen hat. Um das Stück in seiner ganzen Modernität wieder aufleben zu lassen, hat Thomas Hengelbrock eine eigene Spielfassung des seit der Barockzeit vergessenen und noch nie auf einer deutschen Bühne gezeigten Werkes erarbeitet. Grundlage der Aufführung ist eine in der Edition Balthasar Neumann erschienene Neuausgabe von Legrenzis «Giustino» sein, die in mühevoller Kleinarbeit Licht in das Dunkel der komplizierten Quellenüberlieferung bringt. Besonders großen Wert wurde auf eine sorgsame Rekonstruktion der instrumentalen Zwischenspiele gelegt, von denen nur die Basslinie überliefert ist. Teilweise konnte hierfür auf eine neapolitanische Bearbeitung des Werkes von Alessandro Scarlatti zurückgegriffen werden; die übrige Musik wurde nach sorgfältigem Studium des überlieferten Materials von Michael Behringer im Stil Legrenzis nachkomponiert. |
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