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Pietro Francesco Cavalli (1602–1676) La DidoneOper in einem Prolog und drei Akten |
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Regie: Jakob Peters-Messer Kostüme: Jutta Delorme Yvonne Kenny, Laurence Dale, Judith Howarth, Uta Schwabe, Hermann Oswald, Hans Jörg Mammel, Wessela Zlateva, Peter-Jürgen Schmidt, Hilary Summers, Kwangchul Youn, Alexander Plust, Leonore von Falkenhausen, Katharina Kammerloher, Bernhard Landauer Balthasar-Neumann-Ensemble Musikalische Leitung: Thomas Hengelbrock
La Didone, Piero Francesco Cavallis dritte Oper, ist ein Meilenstein in der Entwicklung der noch jungen Gattung im Allgemeinen und der venezianischen Oper im Besonderen. Uraufgeführt 1641 am Teatro di S. Cassiano in der Karnevalsaison, ist sie Cavallis erste nicht-pastorale Oper; der Stoff basiert auf Vergils Aeneis. Giovanni Francesco Busenello, der Librettist, wusste genau um die Regelverstöße seines Textes: «Diese Oper folgt unserem heutigen Empfinden. Sie ist nicht nach der Vorschrift der antiken Regeln gebaut; nach spanischem Brauch spielt sie in Jahren und nicht in Stunden …», heißt es im Vorwort. Cavallis Musik steht ausschließlich im Dienst des Dramas und des Textes. Die Arien sind der Darstellung sich entwickelnder Gedanken- und Gefühlswelten der handelnden Personen verpflichtet. Cavallis symbolhafte Musiksprache und seine «Modelle der Textvertonung» waren bestimmend für die Entwicklung der großen Barockoper. Cavalli wurde 1602 in Crema geboren. 1616 trat er als Sänger in die Kapelle von San Marco ein, die der Leitung Monteverdis unterstand. Cavalli verdankte ihm vor allem seine Kontrapunktkenntnisse. Dem Musikdrama wendet er sich erst später – mit 37 Jahren –, dann jedoch umso intensiver zu. An die 40 Opern schrieb Cavalli in den kommenden 20 Jahren. Zusammen mit Monteverdi, dessen L'Incoronazione di Poppea er nach dem Tod des Komponisten 1643 erstmals wieder aufführte, zählt er zu den bedeutendsten Meistern der venezianischen Oper. Die einzige Quelle, die uns Francesco Cavallis La Didone überliefert, stammt aus Venedig, dem Ort der Uraufführung: eine Partiturabschrift aus der Bibliothek des Sammlers Marco Contarini. Darin ist die Essenz des Werkes aufgezeichnet und festgehalten: die textierte Gesangslinie, der dazugehörige Bass sowie einige drei- und fünfstimmige Ritornelle. Es entspricht den Gepflogenheiten der Zeit, die musikalische Einrichtung eines Werkes auf die jeweiligen Aufführungsbedingungen zuzuschneiden. Erforderten die repräsentativen Feste der Medici oder Gonzagas das denkbar farbenprächtigste Orchester in großer Besetzung, so erlaubten die kommerziellen Zwänge der venezianischen Privattheater oftmals nur Opernaufführungen mit einer kleinen Continuobesetzung, zu der lediglich zwei Violinisten hinzukamen. Für unsere Rekonstruktion und Aufführungen in Schwetzingen und Berlin haben wir uns für eine mittelgroße Besetzung entschieden. Zu den beiden Violinen treten Blockflöten und Zinken hinzu, um dem Diskant mehr Farbe und Volumen zu geben. Die Mittelstimmen sind mit zwei Violen besetzt. Das Continuo besteht aus zwei Cembali, Orgel, G-Violone, Lirone, Cello, Theorbe, Chitarrone, Laute, Cister und zwei Gitarren in den unterschiedlichsten Kombinationen, so dass auch die feinsten Verästelungen der Musik sensibel dargestellt werden können. Cavallis grandiose Begabung, seine Musik dem Text in geschmeidigster Weise umzuhängen und dienstbar zu machen, erweist sich hier zugleich als große Herausforderung: Kaum je findet sich in der Musikgeschichte ein Werk, in dem die verschiedenen Formen des Rezitativs, des Accompagnato, des Arioso, der Ariette und der Arie so vielfältig ausgeprägt und ineinander verwoben sind. Unsere musikalische Einrichtung will die Komplexität dieser Prozesse und den daraus resultierenden Ausdrucksreichtum hörbar machen. Handlung: Krieg auf Erden, rivalisierende Kämpfe der Götter im Himmel – das Schicksal der Menschen erscheint als Machtkampf der Götter, der auf dem Rücken der Sterblichen ausgetragen wird. Aeneas, der Sohn der Göttin Venus, lebt mit seiner Gattin Kreusa, dem Sohn Askanius und Vater Anchises in Troja. Die Griechen überziehen die Stadt mit Krieg und Verheerung. Kassandras Warnung verhallt ungehört: Der Untergang Trojas war von den Göttern beschlossen. Mord und Totschlag regieren die Stadt. Auch Kreusa muss ihr Leben lassen. Auf Befehl der Venus rüstet sich Aeneas zum Aufbruch. Fortuna wird ihn auf dem Meere beschützen. Karthago, als Stadt Didos der Juno geweiht, erscheint zunächst als Idylle in Afrika. König Jarbas liebt die verwitwete Dido, die ihn aus Treue zu ihrem verstorbenen Mann Sichaeus abweist; darüber verliert Jarbus den Verstand. Ein böser Traum kündigt Dido Unheil für Karthago an. Unterdessen spinnen die Götter ihre Intrigen weiter: Juno beauftragt Aeolus, den Untergang der Schiffe des Aeneas zu bewirken. Venus schließlich sendet ihren Sohn Amor in der Gestalt des kleinen Askanius zu Dido, auf dass einer seiner Pfeile sie für Aeneas entbrennen lasse. Die von den Göttern fast gewaltsam herbeigeführte Liebe Didos und Aeneas' kann in dieser zerrütteten Welt nicht lange währen. Der rasende Jarbas verzehrt sich in Eifersucht, verflucht Dido und die Menschheit und tröstet sich mit Hofdamen. Erneut greifen die Götter ein: Jupiter schickt Merkur zu Aeneas mit dem Auftrag, Dido zu verlassen und nach Italien zu reisen. Aeneas gehorcht dem Befehl bereitwillig. Dido überrascht ihn bei der heimlichen Abreise und bricht zusammen. Doch um des guten Endes willen gibt Merkur Jarbas den Verstand zurück und führt ihm Dido zu.
Pressestimmen: «Thomas Hengelbrock hat die Notation Cavallis für sein Balthasar-Neumann-Ensemble glänzend eingerichtet. Die 14 Musikerinnen und Musiker spielen mit Lust und Esprit, in prächtigen, oft raschen Farbwechseln dringen sie tief in diese Gefühlswelten ein.» Frankfurter Neue Presse «Thomas Hengelbrocks musikalische Einrichtung, weithin eine liebevoll-sachkundige Rekonstruktion, arbeitete mit 14 Instrumentalisten und ebenso vielen Sängerdarstellern. Die musikalische Einstudierung war so perfekt, dass Hengelbrock sie vom Violinpult aus dirigieren konnte. Im […] Sängerensemble kein schwacher Punkt. […] Hier zeigt sich Barockoper, adäquat interpretiert, als unüberholbares Medium des Tragischen.» Frankfurter Rundschau «Aus Klangschärfen und -figuren, ständig wechselnden Farbperspektiven je nach Situation und handelnder Person, in explosiven Ballungen und irrealen Traumsequenzen erstand jene Hochspannung, die für Cavallis Theatrum mundi charakteristisch ist.» Frankfurter Allgemeine Zeitung «Die Engagiertheit dieses Musizierens, seine erstaunliche Farbigkeit, die vibrierende Intensität dieser Wiedergabe sorgen für anhaltende Spannung.» Stuttgarter Nachrichten «Das gebotene Klangbild ist von außergewöhnlicher, aparter Schönheit und keine Sekunde lang zopfig. Hengelbrock und sein Ensemble musizieren durchweg voller Frische und Farbigkeit.» Berliner Morgenpost «Der Rest indes ist hier nicht Schweigen, sondern Riesenapplaus für alle, die das schwierige Werk zum großen Wurf gemacht haben.» Die Welt |
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