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Edvard Grieg (1843–1907)

Peer Gynt

Ein dramatisches Gedicht von Henrik Ibsen

 

Regie und Sprecher: Klaus Maria Brandauer

Ursula Fiedler, Sopran
Balthasar-Neumann-Chor
Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Musikalische Leitung: Thomas Hengelbrock

 

Die meisten Theaterkomponisten wussten um den reinen Gebrauchswert ihrer Stücke und dachten nicht an ein Fortleben in der Nachbarschaft von Sinfonien und Konzerten. Zu den Ausnahmen zählt Edvard Griegs Peer Gynt, doch erhebt sich selbst da die skeptische Frage, wie viele der 26 Musiknummern als bekannt gelten dürfen. Ins Konzertrepertoire gingen doch nur die beiden später sortierten, vom literarischen Ursprung gelösten Orchestersuiten ein. Man freut sich also auf Schlager wie «In der Halle des Bergkönigs» – doch wer kennt die Springtänze und Illustrationsstücke, die ebenfalls Teil der Komposition sind? Aufführungen von lbsens Drama in Verbindung mit Griegs Musik sind nunmehr seltene Glücksfälle, und selbst die Suiten wanderten aus dem Abonnement- ins Mittagskonzertrepertoire ab, was ihrem Renommee nicht bekam. Bei diesem Konzertabend bietet sich nun die seltene Gelegenheit, eine speziell komprimierte Konzertfassung zu erleben, die beide Künste ineinander verschränkt und nicht die Abfolge von Einzelnummern betont.

Ibsen dachte zunächst, in der Erstfassung von 1867, an den Leser, nicht die Bühne und bezeichnete Peer Gynt als «dramatisches Gedicht» in der Nachfolge von Byrons Manfred. Sieben Jahre später beschloss er, das Werk fürs Theater umzugestalten. In diesem Zusammenhang wandte er sich an Grieg und lud ihn ein, eine umfangreiche Partitur beizusteuern. Doch was als glückhafte Konstellation erscheint, war in Wirklichkeit eine ernüchternde Begegnung zweier Naturen mit unterschiedlichen Visionen. lbsen, ein in sich gekehrter, allem und jedem gegenüber reservierter Mann, hatte genaue Vorstellungen von der Musik. Grieg wiederum bekannte später, die Arbeit zunächst nicht als Prestigeprojekt, sondern als Sanierungsgrundlage für seine prekäre Finanzsituation angesehen zu haben. Grieg betont – in der vollständigen Fassung der Schauspielmusik – die norwegischen Farben des Dramas, lässt Springtänze aufführen, wählt unabgegriffene Klangkombinationen für die Fantasiegestalten, rahmt Peers Weltreise mit Klängen ein, die man aus exotischen Opern des 19. Jahrhunderts kennt. Vor allem aber schreibt er herzzerreißende Elegien für die unter Peers Selbstherrlichkeit leidenden Frauenfiguren: aufbegehrend «Ingrids Klage», introvertiert «Solvejgs Lied», resigniert Mutter «Åses Tod». Dazu kommen als berühmte Stimmungsbilder die triumphal erlebte «Morgenstimmung» und die sturmumtoste Heimkehr Peers zu Beginn des letzten Aktes.

 

Pressestimmen:

«Wenn Brandauer am Schluss einen gebrochenen Peer Gynt gab, der erkannt hat, dass er sich selbst der Teufel gewesen ist, dann bekam Ibsens abwechslungsreiches, in seiner Entwicklung keineswegs logisches Stück eine Schlüssigkeit, die schaudern machte. Die ausgezeichnete Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Thomas Hengelbrock musizierte Kontraste aus, die man in Griegs Musik zuvor so noch nicht gehört hat, der Balthasar-Neumann-Chor gestaltete die Chorstücke mit illustrativer Kraft.»

Stuttgarter Zeitung

«Und Klaus Maria Brandauer rezitiert den verrückten Außenseiter aus dem Norden – halb Faust, halb Münchhausen – mit berückender Intensität.»

Salzburger Nachrichten

«Das Orchester schaffte es, Griegs ‹Kitsch›-Potential allzu offenkundiger Stimmungsmalereien ins Positive zu kehren, dem Publikum einen genuinen Musikdramatiker zu präsentieren, der einen wild stürmischen Abend und den Tanz der Bergkönigstochter ebenso entstehen lassen kann wie eine Morgenstimmung am Meer und Arabische Tänze.»

taz