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Antonio Lotti (1667–1740)

Requiem F-Dur

 

Balthasar-Neumann-Chor
Balthasar-Neumann-Ensemble
Musikalische Leitung: Thomas Hengelbrock

 

Um der Fülle musikalischer Verpflichtungen nachkommen zu können, griff Johann Sebastian Bach in Leipzig immer wieder auch zu Werken anderer Komponisten, die sich in Abschriften in seiner umfangreichen Notenbibliothek befanden. Zu diesen Werken gehörte u. a. eine Missa in g-Moll von Antonio Lotti, die auch andernorts in Abschriften überliefert ist, sich also, nach dem Maßstab jener Zeit, einer beträchtlichen Wertschätzung erfreute. Das gilt für die Musik Lottis insgesamt, die durch einige geistliche Werke das ganze 19. Jahrhundert hindurch im Repertoire der Kirchenchöre präsent blieb, dann aber allmählich in Vergessenheit geraten ist.

Den größten Teil seines Lebens verbrachte der 1667 geborene Lotti in Venedig, wo er in unterschiedlichen Positionen am Markusdom wirkte. Seine Stellung als Kirchenmusiker schloss das Komponieren weltlicher Musik nicht aus, und so schuf Lotti neben einer Vielzahl geistlicher Werke auch Opern, die zu seiner Zeit überaus geschätzt wurden – so sehr, dass der Komponist für drei Jahre an den sächsischen Hof nach Dresden verpflichtet wurde. Die Zeitgenossen Lottis rühmten seine Kunst, die Strenge des älteren, auf Palestrina zurückgehenden Kirchenstils mit den Ausdrucksmöglichkeiten seiner eigenen Zeit zu verschmelzen. Johann Kuhnau etwa, Bachs Amtsvorgänger als Thomaskantor, lobte die «admirable Gravität, starcke und vollkommene Harmonie und Kunst neben der besonderen Anmuth», die viele von Lottis Sakralwerken auszeichnen.

Das Requiem in F-Dur, von Thomas Hengelbrock nach dem in Dresden erhaltenen Partitur- und Stimmenmaterial neu erstellt, vergegenwärtigt Lottis Bedeutung auf das Nachdrücklichste. Dramatischer Ausdruck mit fast opernhaftem Gestus wechselt mit kantabler «dolcezza» in den Sopransoli.

Das Requiem gehört zu jenen Sakralwerken Lottis, von denen es in einem zeitgenössischen Bericht heißt, sie seien von so «staunenerregendem Wohlklang […], dass man nicht sagen kann, ob dies mehr zur Trauer oder zur heiligen Lust gereichte.»

 

 

Pressestimmen:

«Mit Balthasar Neumann, so die Klangerinnerung dieses Frankfurt-Debüts, verbinde man also feinste Chorkunst. Und mit Thomas Hengelbrock Antonio Lotti. Es lohnt sich.»

Frankfurter Rundschau

«An der ungeschmälerten Freude an dieser Entdeckung hatten die Interpreten entscheidenden Anteil: Hengelbrocks ungemein agile, in den Tempi und Klangmischungen aufs sorgfältigste ausgehörte Wiedergabe verband sich mit dem hohen Perfektionsgrad seiner vorzüglichen Ensembles.»

Frankfurter Allgemeine Zeitung

«Hengelbrock und seine Musiker […] haben alle Farben der Musik zum Leuchten gebracht. Kein Bogen, kein Tupfer, der hier nicht gesessen hätte. Jedes Crescendo eine kleine musikalische Feier.»

Badische Zeitung

«Das Requiem F-Dur schließlich dürfte so, in dieser exemplarischen Dramatik so schnell nicht wieder erklingen: Jenseits allen Akademismus musizierten die Ensembles die kanonisch und imitatorisch geführten Sätze. Jenseits aller überzogenen Motorik, aber ungeheuer impulsiv und elastisch musizierten sie das riesige Charakterspektrum des Dies irae. Und selten dürfte der gesamte barocke Formenkanon so selbstverständlich mit vorklassischer Rhetorik verbunden worden sein. – Wirklich eine Hommage und eine faszinierende Wiederentdeckung eines jung gebliebenen Avantgardisten.»

Stuttgarter Nachrichten