Projektinformation

Carl Philipp Emanuel Bach (1585–1672)

Matthäuspassion (1769)

 

Evangelist
Bariton

Julian Podger
Tobias Scharfenberger

Solisten des Balthasar-Neumann-Chors
Balthasar-Neumann-Chor
Balthasar-Neumann-Ensemble

Musikalische Leitung: Ivor Bolton


Carl Philipp Emanuel Bach in neuem Licht

Als 1999 das seit dem Krieg verschollen geglaubte Notenarchiv der Sing-Akademie zu Berlin nach jahrelanger Suche in Kiew wiederentdeckt wurde und wenig später nach Deutschland zurückkehrte, war eine Sensation perfekt. Die über 5000 Handschriften und Drucke mittel- und norddeutscher Musik des 17. und 18. Jahrhunderts enthalten auch etwa 400 Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, darunter 21 Passionsmusiken und weitere Sakralwerke. Sie rücken das Werk des bedeutendsten Bach-Sohnes, der bis dahin vor allem als Komponist von Klavier- und Orchesterwerken bekannt gewesen war, in ein völlig neues Licht.

Als Carl Philipp Emanuel Bach die Nachfolge Telemanns als Hamburger Musikdirektor antrat, erwartete ihn eine Aufgabe, die der Leipziger Stellung seines Vaters in vielem entsprach. Hierzu gehörte auch die alljährliche Aufführung einer Passionsmusik in den fünf Hauptkirchen der Stadt, die Carl Philipp Emanuel nutzte, um das Werk seines Vaters wo es immer möglich war weiterleben zu lassen.

So verwendete er für seine erste Hamburger Passion große Teile der Chorsätze und Choräle von Johann Sebastians Matthäus-Passion, wobei er deren doppelchörige Sätze den bescheideneren Möglichkeiten der Hansestadt anpasste. Gänzlich aus seiner eigenen Feder stammen hingegen die Arien, die nun auf Texte der Dichterin Anna Luise Karsch aus dem Geist der Empfindsamkeit die Menschennähe des Erlösers in den Vordergrund rücken, während die Vertonung des Vaters noch mit barockem Gestus die Sündhaftigkeit des Menschen betont hatte.

Mit der Aufführung des Werkes beim Leipziger Bachfest 2008 unter der Leitung von Ivor Bolton ergab sich die spannende Gelegenheit, den Wandel des theologischen Geschmacks und das Genie von Vater und Sohn in einer Komposition gegenübergestellt zu erleben.