Projektinformation

Download PDF-Datei


Aus der Notenbibliothek von Johann Sebastian Bach
Dreiteilige Konzertreihe

Konzert I

Antonio Lotti (1667–1740)
Missa sapientiae

Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Magnificat BWV 243a

Konzert II

Tomaso Albinoni (1671–1750)
Concerto a cinque e-Moll op. 2 Nr. 2 BWV Anh. 23

Pietro Antonio Locatelli (1695–1764)
Concerto grosso f-Moll op. 1 Nr. 8

Francesco Bartolomeo Conti (1682–1732)
Languet anima mea
Kantate für Sopran, Oboen und Streicher

Georg Friedrich Händel (1685–1759)
Armida abbandonata HWV 105
Kantate für Sopran und Streicher

Johann Sebastian Bach
Ouvertüre C-Dur BWV 1066

Konzert III

Johann Sebastian Bach
Kyrie c-Moll  BWV Anh. 26 / Christe g-Moll  BWV 242
nach Francesco Durante (1684–1755)

Johann Sebastian Bach
Christ lag in Todesbanden
Kantate zum Ostersonntag BWV 4

Johann Kaspar Kerll (1627–1693)
Missa superba

 

Sibylla Rubens, Sopran

Balthasar-Neumann-Chor
Balthasar-Neumann-Ensemble

Musikalische Leitung: Thomas Hengelbrock

 

Erst in jüngerer Zeit gelang der Bachforschung die Rekonstruktion umfangreicher Teile von Johann Sebastian Bachs Notenbibliothek. Damit eröffnet sich ein faszinierender Blick auf die Vielfalt fremder Werke, die Bach schätzte und von denen er Abschriften für sich anfertigte. Die Kopien dienten dem Studium, also der Auseinandersetzung mit Meisterwerken seiner Zeit. Als Klassiker wurden damals freilich andere Kompositionen als heute angesehen, so etwa Antonio Lottis Missa sapientiae, eine festliche Messe im modernen Stil, die auch in zahlreichen weiteren Abschriften bedeutender Komponisten überliefert ist.

Neben modernen Werken interessierte sich Bach namentlich in seiner späten Leipziger Zeit auch für Kompositionen im stile antico. 1747, drei Jahre vor seinem Tod, setzte er sich mit der Missa superba des Münchener Hofmusikers Johann Kaspar Kerll auseinander, einem Werk, das für Bachs späte Beschäftigung mit Kontrapunkttechniken von besonderer Bedeutung war.

Abschriften fremder Werke benötigte Bach aber auch als Aufführungsmaterial, gehörte es doch zu den Amtspflichten eines Kantors, «daß er anderer Leute löbliche Arbeit nicht ganz unter die Banck werffe, und nur immer in seine eigene Erfindungen verliebt sey; sondern daß er ie zuweilen, was etwa sonst von berühmten Leuten schönes verfertiget worden, auch aufführen, und zur Abwechslung hören lasse.» So gelangte etwa Francesco Bartolomeo Contis ergreifende Solokantate Languet anima mea mehrfach unter Bachs Leitung zur Aufführung. Er passte fremde Werke ebenso wie seine eigenen für Wiederaufführungen den Gegebenheiten an: Während er in Contis Kantate lediglich die Instrumentierung mit Oboen bereicherte, stellt das Kyrie c-Moll von Francesco Durante eine weitgehende Bearbeitung dar, zu der Bach den «Christe»-Abschnitt sogar völlig neu komponierte.

Unveränderte Abschriften finden sich in Bachs Notenbibliothek oft dann, wenn er sie für Aufführungen des studentischen Collegium musicum anfertigte. Er wählte neben klein besetzten Vokalwerken wie etwa Händels Kammerkantate Armida abbandonata vor allem reine Instrumentalwerke, unter denen diejenigen Albinonis und Locatellis seinerzeit besonders beliebt waren.

 

CD-Aufnahmen:

CD-Information
CD-Information
CD-Information
Konzert I Konzert II Konzert III

 

Pressestimmen:

«Die Gabe Hengelbrocks und seiner Ensembles, über eine klanglich authentische und technisch einwandfreie Rekonstruktion hinauszugehen und die Musik konsequent auf die immanente Geistes- wie Seelenhaltung zu befragen, gestattete faszinierende Einblicke in eine tief empfundene Gläubigkeit, die gleichwohl im Kyrie [der Missa sapentiae] nicht in Seufzern ertrank […] Dank akribischer Auseinandersetzung, interpretatorischer Gewissenhaftigkeit und musikalischer Feinfühligkeit rekonstruierten Hengelbrock und seine beiden Ensembles außer den Kompositionen selbst auch deren geistig-religiöses Umfeld.»

Frankfurter Allgemeine Zeitung

«Nicht nur das Unbekannte, auch das Wohlvertraute weiß Hengelbrock in neuem Licht vorzuführen. […] Selten dürfte man das Stück [Bachs Magnificat] in dieser Perfektion zu hören bekommen. Hengelbrock nutzte die Beweglichkeit und Transparenz seines Solistenchors, um darstellerische Extreme auszuloten.»

Badische Zeitung

«Eines der größten Verdienste Hengelbrocks überhaupt: aufzuzeigen, dass nicht alles, was nicht an Bachs Genialität heranreicht, unbedeutende Musik ist. […] Schöner als hier können Tempowechsel nicht gestaltet werden, homogener können Instrumental- und Chorklang nicht verschmelzen. Und die klangliche Differenzierungsfähigkeit dieses Balthasar-Neumann-Chores ist ohnehin ein kleines Wunder für sich.»

Stuttgarter Zeitung