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EBN 23

Kirnberger:
Zion klagt mit Angst und Schmerzen (An den Flüßen Babylons)

1721in Saalfeld geboren, hatte Johann Philipp Kirnberger zwischen 1739 und 1741 Unterricht bei Bach genossen, der den tiefsten Eindruck in ihm hinterlassen hatte. Zeit seines Lebens bemühte sich der auch als Theoretiker hochangesehene Komponist, das Erbe Bachs zu bewahren und weiterzugeben. Die Vertonung des Psalms „An den Flüssen Babylons“ erschien 1773 in der Sammlung „Oden mit Melodien“ zunächst als einzelne Psalmmotette. Als Textvorlage wählte Kirnberger eine Vers-Übersetzung Moses Mendelssohns, die bis heute nichts von ihrem besonderen Reiz verloren hat.
Ungewöhnlich sind Kirnbergers Vortragsangaben im weitgehend homophonen und von Streichern begleiteten Chorsatz, die einen inneren dramatischen Entwicklungsgang in Affekstationen umschreiben: „Eine tiefe Wehmut“, „Innere Kränkung des Gemüths“, „Melancholische Zärtlichkeit“, „Verwandelt sich in Zorn“, „Und steigert sich bis zur Wut“.
In der hier vorgelegten Notenedition wird erstmals Kirnbergers Version des Psalms zugänglich gemacht, der durch weitere Bausteine zu einer Kantate erweitert ist: Zum einen durch den Chorsatz „Zion klagt mit Angst und Schmerzen“ und zum anderen durch zwei instrumentale Zwischenspiele. Der einleitende Chorsatz ist dem Vorbild Bachscher Einleitungschöre angenähert und kontrastiert so mit der folgenden Psalmvertonung. Die Brücke zwischen beiden Sätzen bilden die Instrumentalstücke. Das erste, eine langsame Sinfonie, wird nach dem Psalm „sehr geschwind und wüthend“ wiederholt,um so den dramatischen Entwicklungsgang des Psalms zu verdeutlichen. Das zweite, fugierte Stück ist in der altertümlichen Form eines Ricercars angelegt und verweist wiederum zurück auf die kontrapunktische Welt des ersten Satzes.