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EBN 6
Bertoni: Orfeo ed Euridice
Seine musikalische Ausbildung erhielt Ferdinando Bertoni bei Mozarts berühmten
bologneser Lehrer Padre Giovanni Battista Martini. Kaum 20-jährig erhielt er die
Organistenstelle an San Moisè in Venedig und begann bald die Opernhäuser der
Lagunenstadt zu erobern. Nicht weniger als 54 eigene Opernkompositionen brachte
er zur Uraufführung, wobei er mit der Azione teatrale „Orfeo ed Euridice“ im Jahr 1776
seinen größten Erfolg feierte. Bald trat das Werk seinen Siegeszug in ganz Europa an:
In Treviso, London, Rom, Kassel, Hannover, Florenz, Berlin und – unter Joseph Haydns Leitung –
in Esterháza wurde das Werk nachgespielt.
Noch im Jahr der Uraufführung ging die Oper
auf Betreiben Josephs II. in Wien sogar in Druck – für eine italienische Oper des
18. Jahrhunderts etwas ganz und gar Ungewöhnliches. Bertonis Oper basiert auf Ranieri
de’ Calzabigis Libretto, das schon Gluck vertont hatte, und mit dem berühmten Gesangsvirutosen
Gaetano Guadagni griff Bertoni auf den selben Interpreten der Titelpartie zurück.
Das Geheimnis des Erfolgs lag also gerade nicht in einer Abgrenzung von Gluck.
Ganz offen bekannte sich Bertoni im Vorwort des Partiturdrucks zu seinem Vorbild.
Was der moderne Betrachter von der Remake-Kultur des Kinos kennt, ist hier ein spannendes
Beispiel für die Rezeption von Oper durch Oper, das auch auf Glucks berühmtes Reformwerk
einen neuen Blick eröffnet.
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