Agostino Steffani (1654–1728)
Niobe, Regina di Tebe

Dramma per musica in tre atti (1688)
Libretto von Luigi Orlandi

Regie Lukas Hemleb
Bühnenbild Raimund Bauer
Kostüme Andrea Schmidt-Futterer
Leitung Thomas Hengelbrock

Niobe Maria Bengtsson
Anfione Jacek Laszczkowski
Manto Ana Maria Labin
Tiresias Tobias Scharfenberger
Clearte Pascal Bertin
Creonte Peter Kennel
Poliferno Matjaz Robavs
Tiberino Lothar Odinius
Nerea Delphine Galou

Balthasar-Neumann-Ensemble

Schwetzinger Festspiele 2008

“Niobe, Regina di Tebe” aus dem Jahr 1688 ist Steffanis letzte Oper für den Münchner Hof und zugleich seine bedeutendste. Bereits das Libretto weiß die ungeheure Wucht der Niobidentragödie wirkungsvoll in Szene zu setzen. Erzählt wird die Geschichte der Königin von Theben, die für ihren Hochmut von den Göttern mit dem Tod ihrer Kinder bestraft und vor Schmerz zu Stein wird. Amphion, ihr Mann, nimmt sich vor Gram das Leben, und die so von ihrem Tyrannen befreite Stadt erlangt die Freiheit wieder.

Obwohl Steffani fest in der Musiksprache seiner Heimat verwurzelt war, fand er durch die Aufnahme französischer Stilelemente zu einer sehr individuellen Kompositionsweise, was sich auch in einer besonders großen und bunten Orchesterbesetzung bemerkbar macht.
So wird etwa Amphion (Anfione), der mythische Erfinder der Leier und der Harmonie, in seiner Auftrittszene mit einem instrumentalen Aufwand vorgestellt, wie ihn die italienische Oper schon lange nicht mehr kannte. Die Arie spielt auf die Harmonie der Sphären aus Platons “Politeiea” an und Steffani gelingt es eindrucksvoll, dieses Bild von der Weltenharmonie mit allen Mitteln der Tonkunst sinnfällig zu machen.
Ein kaum zu überbietender Realismus zeichnet die Sterbeszenen Niobes und Anfiones aus: Jede Gemütsregung zwischen Schmerz und Verzweiflung wird auf differenzierteste Weise ausgedrückt.

Nicht nur durch den Tod der beiden Hauptrollen auf offener Bühne gehört Steffanis “Niobe” zu den außergewöhnlichsten Opern des 17. Jahrhunderts. Das Werk beschränkt sich auf eher wenige, dafür aber gleich gewichtete Rollen. Hierdurch wird kammerspielartig eine besonders individuelle Charakterzeichnung möglich, die das Werk gerade für die moderne Opernbühne brennend interessant macht.

Lukas Hemleb, mit dem Thomas Hengelbrock und das Balthasar-Neumann-Ensemble bereits 2005 in Schwetzingen mit Alessandro Scarlattis “Telemaco” einen großen Erfolg feierten, übernahm die Regiearbeit.

Eine eigene Notenedition dieses Werkes erschien als in der Edition Balthasar Neumann (EBN 26).

“Thomas Hengelbrock hat in den letzten gut zehn Jahren schon allerlei Altertümer neu aufbereitet, doch mit dieser Steffani-Oper ist ihm ein ganz besonderer Fang gelungen. Vom Balthasar-Neumann-Ensemble wurde sie kernig, aufreizend und mit der für Hengelbrock typischen ausgeprägten Physis wiederbelebt.”
Frankfurter Rundschau

“Deutsche Polyphonie, venezianische Operntradition und von Lully übernommene Elemente finden sich hier in einer frühen europäischen Synthese, in der buffoneske Plapperarien, fetzige Tänze, harmonisch kühne Wendungen und Dissonanzen, exzessive Chromatik, überirdisch schöner Gesang, aufgewühlte Continuobegleitung und französische Instrumentalfarben ihren Platz haben.”
Stuttgarter Zeitung

“Mit dem Balthasar-Neumann-Ensemble steht heute ein Expertenorchester zur Verfügung, von dem man damals nur träumen konnte.”
Rhein-Neckar-Zeitung